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Nach dem „Runden Tisch“ zum BBT

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Mehr Klarheit oder status quo ante?

Die Reaktionen auf den "Runden Tisch" zum Thema BBT vom Montag dieser Woche fallen recht unterschiedlich aus. Sepp Kusstatscher war selbst nicht mit seinem Auftritt zufrieden, obwohl er nach meiner Einschätzung einige wesentliche Aspekte in die Debatte einbringen konnte und die Botschaft, dass in Sachen BBT nix fix sei, durch die Debatte klar bestätigt wurde. Dies unterläuft die Bemühungen der Befürworter-Phalanx, die immer so tut, als wäre alles schon beschlossen und Südtirol müsse wohl oder übel mitmachen.


Sepp Kusstatscher hätte etwas prononcierter sein können und vielleicht hätte ein direkterer Angriff auf Durnwalder, der in Sachen BBT lügt (das behaupte ich hier in aller Öffentlichkeit), den Landeshauptmann noch stärker in Rage gebracht und zu den cholerischen Fehlern geführt, die Durnwalder macht, wenn er glaubt, mit kräftigem Auf-den-Tisch-hauen zu zeigen, wer der Herr im Haus ist. Er kriegt dadurch vielleicht Sitzungen in den Griff, beim Fernseh-Zuschauer kommt dies aber sehr schlecht an. Kusstatscher hätte sich auch nicht von Michl Ebner das Wort nehmen lassen sollen, als dieser die von Kusstatscher zitierten Aussagen des Bahndirektors Mario Moretti relativierte. Sepp Kusstatscher hat aber meines Erachtens einige wesentliche Aspekte eingebracht, auf die Durnwalder aber einfach nicht einging, als er gebetsmühlenartig immer den selben Sermon wiederholte und sinngemäß sagte, dass "wir" den Tunnel bauen und dann würde er schon genützt, weil "wir" sonst ganz schön blöd wären ...

Hermann Knoflacher war sehr gut und hat Qualität und verkehrsplanerische Grundüberlegungen in die Debatte gebracht. Seine wesentlichen Aussagen waren die Forderung nach einem Vertrag zwischen der EU und dem Land Südtirol oder mehreren Alpenregionen, in denen die Verlagerung von der Straße auf die Schiene europarechtlich abgesichert festgeschrieben wird, dann die Relativierung der sog. "Experten"-Aussagen und der Hinweis, der BBT sein verkehrsplanerisch nicht begründbar, was Knoflacher in der zu kurzen Zeit hauptsächlich mit dem Hinweis auf den EURO-Tunnel unter dem Ärmelkanal aufzeigen konnte.

Konrad Bergmeister hat souverän gewirkt und die Befürworter-Fraktion über Wasser gehalten, auch wenn er sehr flexibel Zahlen hervorkramte und Aussagen machte, die vorher noch nie in die Öffentlichkeit gedrungen sind und teilweise auch in Widerspruch zu den Aussagen stehen, die die BBTse in ihrem Internet-Auftritt macht. Bergmeister ist ein Kommunikationsgenie und mit seinem "Lieblingsschwiegersohn-Image" kommt er beim TV-Publikum sicher gut an. Er macht aber auch Aussagen, die Durnwalder und andere Befürworter geflissentlich überhören: so zum Beispiel, dass es einen ordnungspolitischen Rahmen brauche, um die Verlagerung zu bewerkstelligen. Durni und Co. würden dieses Thema am liebsten auf die Zeit nach der Inbetriebnahme des Tunnels verschieben, die zumindest der Landeshauptmann voraussichtlich nicht mehr erleben dürfte. Im günstigsten Fall wäre er dann irgendwo zwischen 90 und 100 Jahre alt.

Luis Durnwalder hat keine konkreten Argumente eingebracht. Er spielte den Boss und versuchte, Kusstatscher und Knoflacher zu verunglimpfen, zuerst mit Würze, dann immer giftiger und primitiver. Ein souveräner Landespolitiker sieht anders aus, Durnwalder wirkte fertig und schwach und versuchte, Arroganz und personifizierte Macht über die Kraft der Argumente zu stellen. Beim einen oder anderen Zuseher mag diese Masche wirken, bei vielen aber genau das Gegenteil bewirken. Er hat den Zenit seiner Macht und Leistungsfähigkeit längst überschritten und wird für die Südtiroler Politik langsam aber sicher zu einem Problem.

Michl Ebner, der ursprünglich in dieser Runde nicht vorgesehen war, wurde der ihm zugedachten Rolle als Störmanöver gerecht. Obwohl er rein gar nichts Erhellendes zur Debatte beitragen konnte, gelang es ihm, Kusstatscher zu stören. Ob es seinem schon vordem angeschlagenen Image in Südtirol bekommen hat, ist sehr in Zweifel zu ziehen.

Eberhard Daum war als Moderator sehr gut vorbereitet, vermochte aber nicht, die während der Sendung vorgebrachten Argumente in den Ablauf einzubringen, da er sich zu stark auf die vorbereiteten Fragen verlassen hat. Auf diese Weise tauchten immer wieder neue Aspekte auf, bevor andere, die in den Raum gestellt worden waren und die vor allem die BBT-Befürworter hätten in die Enge treiben können, ausreichend beleuchtet worden waren.

Alles in allem hat die Debatte im Fernsehen wenig Neues gebracht. Die Gegner waren qualifiziert und vorbereitet, ihre Argumente konnten aber von den Befürworten weggeschwiegen oder oberflächlich entkräftet werden, ohne in ihrer Substanz behandelt worden zu sein. Wer vorher skeptisch war, bleibt dies auch nach der Sendung, wer dafür war hat vielleicht den einen oder anderen Zweifel bekommen oder nimmt den Eindruck mit, dass da noch das eine oder andere zu klären wäre. Ein starkes Argument, das nicht aus den Augen gelassen werden sollte, ist der Knoflacher-Vorschlag mit dem mit der EU auszuhandelnden "Verlagerungsvertrag".


Markus Lobis
Sprecher der Transitinitiative Südtirol/Sudtirolo

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